Die Geschichte

Der Anfang

Bei einer Diskussionsveranstaltung der Initiative mit dem Geschäftsführer des Diakonischen Werkes über die Situation der Asylbewerber in Deutschland kam die Rede auf die Situation der Kinder in den Flüchtlingsunterkünften. Ein großes Manko war unserer Meinung nach die starke Einschränkung der Kinder in ihren Freizeitmöglichkeiten. Das brachte uns auf die Idee, den Kindern die Teilnahme an einer Sommerfreizeit außerhalb ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen.

Und die erste Umsetzung

Trotz aller Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, wurde unser erstes Max-Joseph-Straßenfest am 8. Mai 1993 ein voller Erfolg. In einem vervielfältigten Schreiben bedankten wir uns bei den vielen Helfern und den Anwohnern des Stadtviertels für ihre Mitwirkung und konnten gleichzeitig schon ankündigen, daß mit Hilfe der Einnahmen des Straßenfests 11 Flüchtlingskinder aus dem im Industriehafen gelegenen Wohnheim für Asylbewerber an einer Ferienfreizeit der Jugendorganisation “Die Falken” teilnehmen konnten.

Die Weiterentwicklung

Über das betreuende Diakonische Werk hatten wir zum erstenmal Kontakte mit den Flüchtlingen hergestellt, die in der Industriestraße untergebracht waren. Zusammengedrängt in einem ehemaligen Industriekomplex am Rand der Neckarstadt blieben sie ohne direkten Kontakt mit der Bevölkerung und waren in dieser isolierten Lage am 13.Oktober 1991 Opfer eines versuchten Brandanschlags geworden, der glimpflich ausging, weil die Täter "auf frischer Tat" ertappt wurden. In einem schon zwei Monate später stattfindenden Prozess kamen sie mit milden Bewährungsstrafen davon.

Im Kontakt mit Asylbewerbern und Sozialarbeitern ergab es sich sehr schnell, daß in der trostlosen und angespannten Atmosphäre der Industriestraße die Kinder die hauptsächlich Leidtragenden der Verhältnisse waren. Somit war es naheliegend, in ihrer Betreuung einen sinnvollen Verwendungszweck für die Einnahmen unserer Straßenfeste zu suchen. Schon im Herbst 1993 (am 22. September) besuchten wir die Industriestraße mit einer großen Gruppe von Kindern und Erwachsenen und feierten ein erstes Kinderfest im Hof des Zentrums: Kinder und Jugendliche aller Nationen, dazu viele deutsche Kinder aus der Neckarstadt hatten einen ganzen Nachmittag lang zusammen Spaß. Später haben wir solche Aktionen mit Filmvorführungen oder Besuchen wiederholt.

Wir haben seither auch in den Folgejahren regelmäßig unser Straßenfest veranstaltet, erfolgreich gemischte Ferienfreizeiten von deutschen und ausländischen Kindern vermittelt und konnten darüber hinaus auch Geld für die Linderung der alltägliche Nöte von Flüchtlingen zur Verfügung stellen. Schwerpunkt der letzten Jahre wurde unser Beitrag zum Aufbau einer Kinderbetreuung in der Industriestraße. Seit deren Anfängen mit der Einrichtung einer Spielstube konnten wir uns an der Deckung der Personalkosten beteiligen. Mittlerweile ist daraus ein ehrgeiziges Projekt entstanden, das unter dem Namen “Kindergarten Irgendwie anders” mit intensiver pädagogischer Arbeit und Hausaufgabenhilfe den Kindern in ihrer bedrängten Lebenssituation eine wichtige Stütze sein kann.

Diese Erfolge wären ohne die Mitarbeit der vielen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, der ohne Gage auftretenden Künstler und Musiker, aber auch vieler Anwohner und Gewerbetreibender aus dem Stadtviertel nicht möglich gewesen. Sie alle namentlich zu erwähnen, würde weitere Seiten füllen. Ein anonymes Dankeschön muß also genügen.